Rolle der Immun-Abwehr

Untersuchungen zur immunologischen Aktivität gegen Nahrungsmittel und Nahrungs-mittel-Bestandteile bei Patienten mit langjähriger oder intensiver und häufig auftre-tender Migräne und anderer Schmerzen haben gezeigt, dass Prozesse im Darm, die auf fortschreitendem Enzymmangel (darunter auch Bauchspeicheldrüsen-Enzymen) beruhen, in der Regel mit starker Antikörperbildung der Immunzellen (Lymphozyten) einhergehen.

 

 

Bei chronischen Entzündungen einzelner Darmabschnitte ist die Barrierefunktion des Darms gestört.

 

Der Darm wird durchlässiger und Nahrungsbestandteile, darunter Eiweiße und Eiweißbestandteile, die auch aus unvollständiger Eiweißspaltung stammen können, werden von der Immunabwehr als Fremdkörper (Antigene) angesehen. Dagegen bildet sie sogenannte spezifische Antikörper, das sind Immun-Eiweiße, die sich genau gegen die Nahrungsmittel-Antigene richten. Diese als Immun-Globuline bezeichneten Antikörper (sIgG - sekretorisches Immunglobulin G) lösen eine verzögerte Reaktion („Immunantwort“) aus im Gegensatz zur spontanen allergischen Reaktion mit IgE-Antikörpern.

 

Einzelne Lymphozyten können bis zu 300 verschiedene Antikörper bilden, nicht nur gegen Infektionskeime, sondern auch gegen Nahrungsmittel.

Die verzögerte Immun-Reaktion auf Nahrungsmittel erfolgt frühestens nach einer halben Stunde, kann aber in selteneren Fällen auch erst 72 Stunden nach der Nahrungs-ufnahme auftreten.

Studien haben gezeigt, dass die verzögerte sIgG-vermittelte Immun-Reaktion im Darm Entzündungen auslöst und bei chronischer Antigen-Belastung durch Nahrungsmittel, die nachweislich bereits eine hohe Antikörper-Produktion ausgelöst haben, auch Veränderungen an Blutgefäßen hervorrufen kann.

Wenn ein durch Medikamente (NSAR-Präparate, Antibiotica, Cortison) oder durch verschiedene Nahrungsmittel-Zusatzstoffe (Konservierungsmittel, Dickungsmittel, Emul-gatoren u.ä.) vorgeschädigter und entzündeter Darm noch durch häufig ablaufende Immunreaktionen auf Nahrungsmittel mit Entzündungen überzogen wird, kann sich daraus leicht ein Teufelskreis entwickeln, in dessen Gefolge bei Labortests immer mehr Nahrungsmittel mit gefährlich hohen Antikörper-Spiegeln (sIgG) auffallen. Diese Befunde korrelieren mit der Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräne-artigen Kopf-schmerzen.

 

 


Bedeutung des tatsächlichen Frischegrades von Nahrungsmitteln

Unverträglichkeits-Reaktionen können sich nicht nur auf Milch, Getreide oder Eier beziehen, sondern auch andere Nahrungsmittel des täglichen Konsums wie Fisch und Fleisch oder Gewürze wie z.B. Vanille betreffen. Dabei scheint vor allem der tatsäch-liche Frische-Grad von Nahrungsmitteln eine bedeutende Rolle zu spielen.

Ernte-, fang- und schlachtfrische sowie produktionsfrische Nahrungsmittel, die frisch zubereitet werden, scheinen weit weniger problematisch als Nahrungsmittel, die diese Anforderungen nicht erfüllen. Der Verzehr von Nahrungsmitteln, die nicht mehr frisch sind, sei es, dass sie schon beim Einkauf nicht wirklich frisch waren oder nicht frisch zubereitet oder falsch und zu lang aufbewahrt oder wieder aufgewärmt wurden, können schwere Migräne-artige Kopfschmerzen auslösen.

Zahl, Intensität und Ausprägung der Begleit-Symptome dieser Kopfschmerzen ist abhängig von der aktuell aufgenommenen Nahrungsmittelmenge und der Zahl der Nahrungsmittel bzw. Nahrungsmittelbestandteile, die nachgewiesenermaßen Immun-Reaktionen auslösen können sowie von der Menge der aktuell gebildeten spezifi-schen Antikörper.

 


 

Beispiele für Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten

Pizza mit Salami, Sardellen und Gorgonzola, dazu Rotwein

kann zu folgenden Problemen führen:

Immun-Reaktion auf Weizen, zusätzlich Reaktion auf Histamin in Salami, Sar-dellen und Rotwein sowie auf Tyramin im Käse.

Mögliche Folgen:
Drückend pochend/klopfende Kopfschmerzen in Stirn und Schläfen, Druck im ganzen Kopf, evtl. Herzklopfen, starke Benommenheit, Abgeschlagenheit, Kon-zentrations-Störungen, Depressivität, Übelkeit, häufiges Erbrechen ca. eine halbe bis eine Stunde nach der Mahlzeit einsetzend.


Kopfschmerzdauer ein bis zwei Tage.



Kohlrouladen mit Hackfleischfüllung
Hackfleisch Samstag morgen beim Metzger gekauft, im Kofferraum verstaut, danach Einkaufsbummel bis kurz vor Mittag, anschließend Zubereitung und Mittagessen. Übriggebliebene Rouladen im Kühlschrank aufbewahrt, am folgenden Montag aufgewärmte Kohlrouladen mittags gegessen.

Mögliche Folgen:
Massive Übelkeit mit Erbrechen ca. eine dreiviertel Stunde nach der Mahlzeit, heftige Migräne-artige Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Depressivität, Gliederschmerzen, Frösteln, gegen Abend Durchfall.


Kopfschmerzdauer zweieinhalb Tage.

  

 

Problem-Lösungen

1.  Laboruntersuchung auf IgG4-vermittelte Immun-Reaktionen gegen Nahrungsmittel

2.  Bei Verdacht bzw. zum Ausschluss einer Histamin-Unverträglichkeit:
     Histamin-Bestimmung in Stuhl und Urin

3.  Bei Verdacht bzw. zum Ausschluss einer Milchzucker- oder Fruchtzucker-
     Unverträglichkeit:  
Atemgas-Tests

 

<<<  Intensive Beratung zu allen Fragen der Ernährungs-Umstellung führen wir im Rahmen unserer  Therapie begleitenden Seminare  und in Einzelgesprächen parallel zur laufenden Migräne-Behandlung durch.
 
 

4.  Ernährungsumstellung:

  • Auslass-Diät gegenüber allen Nahrungsmitteln mit hohem IgG4-Antikörper-Titer
  • Rotations-Diät mit allen verbliebenen Nahrungsmitteln mit niedrigem IgG4-Anti-körper-Titer
  • Von Vielem etwas, von Nichts zuviel
  • Abendmahlzeit frühzeitig einnehmen, nur kleine Menge, keine Rohkost am Abend
  • Verderbliche Nahrungsmittel grundsätzlich frisch kaufen,
    frisch zubereiten und sofort konsumieren
  • Nichts Verderbliches aufheben
  • Bio-Nahrungserzeugnisse bevorzugt kaufen
  • Vorsicht!  Bio-Erzeugnisse sind in der Regel leichter verderblich,
    da Konservierung dort verboten bzw. nur sehr eingeschränkt erlaubt ist 

 

 

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